Der Wildschütz

Inhalt der Oper

 
 
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Albert Lortzings komische Oper spielt in der Originalfassung in einem Schloss und im dazugehörigen Dorf zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Die Gartenoper Langenthal verlegt die Handlung in die Gegenwart. Sie spielt im Schulhaus, in der Villa des Grafen und auf dem Golfplatz. Neu eingefügt wird eine Figur mit den Namen «Trieb». Dieser Name ist Programm: Trieb führt die Figuren, kommentiert die Handlung und weist uns immer wieder darauf hin, dass man Wildschütz, Schütz und Jäger auch anders verstehen kann…  

I. AKT

Im Dorf wird fröhlich Verlobung gefeiert. Der ältliche Schulmeister Baculus verbindet sich mit dem reizenden jungen Gretchen, welches ihn eher aus Dankbarkeit, denn aus Liebe zum Gatten nehmen will. Gretchen ist aber keineswegs nur die Unschuld vom Lande, sie drängt Bacalus, endlich Schuldirektor zu werden. Dies hängt jedoch vom Grafen ab, er ist der Schulpräsident. Der Graf spielt leidenschaftlich Golf. Also geht Baculus auf den Golfplatz, um mit dem Grafen gleichsam auf Augenhöhe zu sprechen. Ungeschickt und ungeübt, wie er ist, zertrümmert er als erstes die Panoramascheibe des Klubhauses. An eine Karriere ist nun natürlich nicht mehr zu denken, Trieb überreicht ihm die Kündigung. Was tun? Baculus spielt mit dem Gedanken, das schöne, junge Gretchen zum Grafen zu schicken, um diesen um Verzeihung zu bitten. Da aber Gretchen mit dem Vorschlag allzu schnell einverstanden ist, wird er eifersüchtig, vor allem weil er sehr wohl weiss, dass der Graf ein notorischer Schürzenjäger ist. Die beiden streiten noch herum, als zwei junge Damen angereist kommen. Es ist die Baronin Freimann, eine junge Witwe auf dem Weg zu ihrem Bruder, dem Grafen Eberbach; sie reist mit ihrer Zofe Nanette. Sie reisen in Männerkleidern, weil die junge Witwe den Begleiter des Grafen, den Baron Krontal, ungestört begutachten will; er kommt als Heiratskandidat in Frage. Der Baron sucht verzweifelt eine Frau, auch er hat sich verkleidet, tritt als Golflehrer auf und nennt sich Peter Puls. Die Baronin schlägt nun dem streitenden Paar vor, sie wolle sich als Gretchen verkleiden und den Grafen um Verzeihung bitten. So hätte sie auch Gelegenheit, den Bruder, den sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, und den Baron von nahe zu besehen, ohne gleich erkannt zu werden. Da erscheinen der Graf und der Baron, alias Peter Puls, ermüdet vom Golfspiel. Als sie sehen, dass ein Fest gefeiert wird, sind sie gleich mit von der Partie. Der Graf findet natürlich Gefallen an den schönen Frauen, vor allem an Gretchen und an dem Bauernmädchen, das ja seine Schwester ist. Er erkennt sie aber nicht. Alle lädt er auf den nächsten Tag zu seinem Geburtstag in seine Villa ein.

 
 
 

AUFFÜHRUNG
DER SEMPEROPER DRESDEN

Wie der Wildschütz klingt, spielt Ihnen die Semperoper in Dresden vor:

 
 
 

II. AKT

Wir treffen die Gesellschaft in der Villa Eberbach an bei einer Vernissage. Die Gräfin ist eine glühende Kunstverehrerin, hochgestochene Gespräche über moderne Kunst beherrschen die Szene. Baculus schmeichelt sich mit seinen pseudointellektuellen Kunstansichten bei der Gräfin ein, da er hofft, sie werde dann ein gutes Wort für ihn einlegen. Der Graf tritt auf und ist unnachgiebig. Es bleibt bei der Kündigung! Nun muss Baculus stärkeres Geschütz auffahren. Er präsentiert sein «Gretchen», die verkleidete Baronin, die er immer noch für einen Mann hält! Baron Krontal ist hin und weg von ihr, ebenso der Graf, der nun dem Baron in Liebesdingen gefährlich in die Quere kommt. Die beiden Rivalen beginnen ein Billardspiel, gleichsam um ihre Rivalität stellvertretend auszutragen. Einer trifft dabei die Lampe, und nun sitzen alle im Dunkeln, was aber den beiden Herren nur recht sein kann. Es beginnen wilde Verfolgungen, die Gräfin wird geweckt und erscheint. Sie nimmt das falsche Gretchen in ihr Zimmer, um es von den Nachstellungen der Herren zu bewahren. Das stürzt nun Baculus in blankes Entsetzen, da er glaubt, die Gräfin nehme einen Mann ins Bett! Das Entsetzen wird jedoch sogleich verscheucht. Der verliebte Baron erscheint und bietet Baculus an, ihm das «Gretchen» abzukaufen. Bei fünftausend Talern werden die beiden handelseinig.

III. AKT

Nun löst sich alles auf, wenn auch nicht zur Zufriedenheit aller. Baculus schleppt das echte Gretchen an und will das Geld vom Baron einkassieren. Dieses Gretchen ist aber nicht die Auserwählte des Barons. Baculus sieht seine Felle davon schwimmen, er verrät dem Baron, das verkleidete Gretchen sei in Tat und Wahrheit ein Mann. Die Baronin, das falsche Gretchen, hat sich aber auch in den Baron verliebt, obwohl er nur ein Golftrainer ist. Nun kommt der Graf, der sich auch in «Gretchen» verliebt hat. Er küsst sie und sie küsst ihn  zu seiner Überraschung ganz unbefangen zurück. Der Graf erfährt, dass er soeben seine Schwester geküsst hat! Die Gräfin erfährt, dass der Golftrainer ihr Bruder ist, den sie jahrzehntelang nicht mehr gesehen hat. Alle sind glücklich, ausser Baculus. Er ist der Geprellte. Gretchen will nach dem entwürdigenden Auftritt nichts mehr von ihm wissen, seine Schulmeisterstelle hat er auch verloren. Da aber die ganze Schuljugend für ihn bittet, lässt der Graf an diesem Freudentage Gnade vor Recht ergehen und lässt den Schulmeister in seinem Amt.

Trieb verabschiedet sich. Er hat den Reigen der «wilden» Schützen, Schürzenjäger und Machos zu einem guten Ende gebracht. Aber es gibt für ihn auf der ganzen Welt noch sehr viel zu tun. Überall folgt man der «Stimme der Natur» …

Thomas Multerer

 
 
 
 
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